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Sucht

 
     
   
das Verlangen nach Wiederholung gleichartiger Erlebnisse und Handlungen, die einen starken Reiz bieten und eine hohe Befriedigung versprechen. Aber eben diese Befriedigung tritt nicht ein, und die vorübergehende Hochstimmung (Euphorie) wird alsbald mit Niedergeschlagenheit (Depression) und starkem Unbehagen (»Kater«) bezahlt. Die Erinnerung an den vorübergehenden Rausch treibt immer wieder zu dem Versuch, auf gleichem Wege die Seligkeit zu erreichen, obwohl doch keine dieser Erfahrungen an das Ziel führt, das man eigentlich verfolgt. Weil jeder einzelnen Erfahrung die letzte Erfüllung gefehlt hat, kommt es zu dem Wiederholungszwang. Die Sucht ist eine »Suche« nach dem Unerreichbaren. Ihr Inhalt ist ein Ersatz für Befriedigungen, nach denen man einst vergeblich strebte, weil sie von einem Glück abhängig waren, das man nicht erzwingen konnte. Nach psychoanalytischer Auffassung ist das Muster jeder Sucht die sexuelle Selbstbefriedigung, der die Zuwendung eines Liebespartners fehlt. Auch die sexuelle Perversion im engeren Sinne des Wortes ist durch die Unfähigkeit zur Partnerbeziehung gekennzeichnet. Dabei wird besonders deutlich, daß es Frustrationen und Hemmungen waren, die den Ausdruck der Libido so suchthaft eingeengt haben. Es sind Hemmungen, die man mit Hilfe von Alkohol und anderen Rauschgiften überwinden will, um so in einen Zustand der Entrückung zu geraten. Die Drogen machen sozusagen von der Zuwendung anderer Menschen unabhängig, stiften aber eine neue, schlimmere Abhängigkeit. Ihr ständiger Gebrauch verändert den Organismus derart, daß sich die Sucht nicht mehr ohne unerträgliche Entzugserscheinungen brechen läßt. Ärztliche Hilfe allein genügt dann nicht mehr ohne seelische Unterstützung, wie sie am ehesten durch die Einordnung in eine Gruppe möglich ist: dann helfen Kranke, die ihre Sucht überwinden wollen, unter Führung eines Therapeuten einander. Es gibt noch viele andere Formen der Sucht, so die der Abenteurer, Gladiatoren und Spieler, die sich immer wieder in Gefahren begeben müssen, um sich darin gegen alle innere Unsicherheit selbst bestätigen zu können. Manchmal werden bestimmte Suchtarten zu einer Epidemie, weil sich in ihnen eine Ausflucht aus Problemen anzubieten scheint, die zeitweise eine ganze Gesellschaft oder doch breite Schichten belasten.Zwanghaftes Streben zur Wiederholung bestimmter Handlungen, welche den Zustand des Organismus verändern und auch dann nicht aufgegeben werden, wenn sie zu deutlichen körperlichen oder seelischen Schäden führen. Am häufigsten wird der Ausdruck für Drogenabhängigkeit gebraucht, doch spricht man auch von Fettsucht oderMagersucht, also von einer krankhaften, selbstschädigenden Wiederholung von Verhaltensweisen im Bereich der Nahrungsaufnahme. Die Behandlung aller Formen von Sucht ist sehr schwierig: Der Betroffene muß etwas aufgeben, was ihm seinen derzeit elenden Zustand noch etwas leichter erträglich macht, um das Fernziel zu erreichen, sich ohne Suchtverhalten wohl zu fühlen. Die herkömmlichen Formen von Psychotherapie reichen nicht aus; dauernde Überwachung und Stützung durch eine verständnisvolle, aber auch folgerichtige Gruppe ist notwendig, um dem Süchtigen in einer Übergangszeit (die mehrere Jahre dauern kann) genügend äußere Festigkeit zu geben, die er anschließend verinnerlichen kann. «? Alkoholismus ist die häufigste Form einer Sucht in den Industriestaaten, gefolgt von der Sucht nach Psychopharmaka (Schlafmittel, Weckmittel, Beruhigungsmittel) und Rauschgiften (Opium, Morphium, Heroin). Drogenabhängigkeit.
 
     
 
 
 
     
 
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